Gelebte Tradition

Drucker-Generationen in der PMG

„Mit meinen Kollegen habe ich vermutlich mehr Zeit verbracht als mit meiner Familie.“ Der Mann muss es wissen: Franz-Josef Wieting arbeitet seit 1969 für den Hammer Druckstandort der PMG. Er hat seitdem viele Arbeitsstationen durchlaufen: als Praktikant, als Auszubildender, als Buchdrucker, als Offsetdrucker. Ein Leben mit und für das Drucken.

Julia Deimel, Anne Wulf und Franz-Josef Wieting.

Julia Deimel hat im August 2016 ihre Ausbildungen bei Griebsch & Rochol Druck begonnen. Im Gespräch trifft sie auf zwei Kollegen, die eine Menge erlebt und noch mehr zu erzählen haben: Anne Wulf, Abteilungsleiterin Werksatz, ist seit 34 Jahren im Unternehmen. Offsetdrucker Franz-Josef Wieting lernte bereits 1969 im Hammer Druckhaus. Was denken die drei über den Medienstrukturwandel – und was wissen sie eigentlich über die jeweils andere Generation?

Bis in das Jahr 1661 reichen die Wurzeln des Hammer Druckbetriebes Griebsch zurück. Vor allem Studenten nutzten deren Dienste seinerzeit gerne für ihre Arbeiten. Von Generation zu Generation wird das Fachwissen der Druckereibranche seitdem weitergegeben und ausgebaut.

Ganz so weit reichen die Erinnerungen von Franz-Josef Wieting dann doch nicht zurück. Dennoch: Seit 1969 ist er ein Teil der Hammer Druckfamilie. „Bei ‚Emil Griebsch‘ habe ich damals meine Ausbildung zum Buchdrucker begonnen“, erzählt Wieting, der heute als Offsetdrucker arbeitet. Auch durch seine Hände gingen damals handfeste Titel wie der „Jägerbote“ oder der „Westfalenturner“. Es waren andere Zeiten, ausgesprochen einfarbig und von Handarbeit geprägt. Auch, wenn die Technik sich stets entwickelte. „Als in den 70er Jahren der Buch-Offsetdruck aufkam, hatte ich eigentlich immer einen Schwamm in der Hand“, sagt Franz-Josef Wieting. Ohne regelmäßiges Reinigen war an die eigentliche Arbeit nicht zu denken: „Die Druckplatten waren meist schon nach 30 Minuten oxidiert.“

Anne Wulf, seit 1983 im Haus, erzählt derweil von ihren Anfängen im Unternehmen. Vom Bleisatz, von der 5,25“-Diskette, vom Datentransfer zum Kunden via Taxi. Das alles ist Julia Deimel leicht suspekt. Sie ist „Mediengestalterin Digital und Print“ in spe und kann sich auch privat für Gedrucktes erwärmen: „Ich liebe das haptische Erlebnis beim Lesen von Büchern und Zeitschriften.“ Schwerpunktmäßig beschäftigt sich Julia mit der Gestaltung im Digitaldruckbereich: „Geschäftsausstattung und Werbemittel, aber auch Bücher und Magazine stehen im Mittelpunkt.“

Franz-Josef Wieting wirft mit einem Augenzwinkern ein: „Ich habe nach einem Praktikum mit meiner Ausbildung begonnen, da war ich 14 Jahre.“ Julia nickt leicht betreten – heute jagen die 14-Jährigen ja eher Pokémons durch die Stadt. Um damals einen Ausbildungsplatz bei Griebsch zu bekommen, hätte Julia allerdings zusätzliche Kriterien erfüllen müssen. „Ich hatte eine 90-minütige Aufnahmeprüfung zu absolvieren, inklusive eines Diktats“, sagt Wieting und ergänzt: „Wir haben damals gearbeitet, bis alles fertig war – nicht, bis die nächste Schicht kam. Es war anstrengend, aber auch schön.“

„Fertig werden“ hieß auch das Motto von Anne Wulf, als sie mit 16 Jahren ihre Ausbildung zur Schriftsetzerin bei Griebsch Druck begonnen hat. Ihre ersten Erinnerungen drehen sich um Bleikegel, Lochstreifen und Setzmaschinen: „Bei Tippfehlern musste die Zeile halt neu gegossen werden. Oder die Fotopapier-Montage neu geklebt.“ 30 bis 35 Seiten hat ein fixer Setzer bei einem Textbuch pro Stunde in der Klebetechnik geschafft. Als Stress hat Anne Wulf den Job aber nicht empfunden: „Damals war es eigentlich entspannter für den Kopf als heute. Man wusste, was man zu tun hatte. Heute muss man parallel immer an die Zukunft denken und daran, was sich ändert. Das ist sehr spannend, aber eben auch eine große Herausforderung.“

Bei aller Begeisterung für seinen Beruf hat Franz-Josef Wieting inzwischen ein ganz weltliches Ziel: Am 1. September 2018 geht es in den wohlverdienten Ruhestand. „Dann habe ich tatsächlich mein ganzes Berufsleben bei Griebsch & Rochol Druck verbracht, auch wenn sich auf dem Weg die Firmierung manchmal geändert hat.“ Insgeheim zählt er hin und wieder die noch verbleibenden Monate. Doch der Job ist längst zur Passion geworden: „Das liegt an den Menschen und an der Sache.“ Und ein ganz klein wenig auch an seiner großen Leidenschaft, der Heatset-Maschine Miller CW68: „Die war schon irgendwie auch mein Baby …“